Analyse verschiedener Blog-Charaktere

Viele Philosophen, besonders die Griechischen, beschrieben in verschiedenen Tugendmodellen die Charaktere der Menschen, und welche Tugenden ihnen inne wohnen. Noch heute sind diese Schriften Grundlage für psychologische Analysen. In dem Blograum welchen wir untersuchen, werden die Blogs zunehmend zu einer zweiten Identität. Doch auch wenn diese Identität parallel zur realen menschlichen Identität verläuft, kann sie durchaus Rückschlüsse auf die Psyche des Autors in der realen Welt geben. Anhand der verschieden Blogs lässt sich also sowohl feststellen, welchen Charakter der Autor aufweist, als auch wie er sich in dem Blog-Universum, und so der Öffentlichkeit präsentieren will, unabhängig davon, ob er anonym oder unter seinen tatsächlichen Namen im Internet auftritt. Also wollen wir ein Charaktermodell entwerfen, welche die verschieden Blogs analysiert und anschließend einer kollektiven Kritik unterzieht. Die Tugenden und Eigenschaften, welchen den Blogcharakteren inne wohnen, lässt sich adäquat anhand von expliziten Beispielen aufweisen, welche wir dem ländlichen Blograum entnehmen werden. Wir weisen darauf hin, dass es sich lediglich um Modelle handelt. Wir sind uns bewusst, dass menschliche Tugenden und der menschliche Charakter bei einem Individuum von unzähligen anderen Dingen beeinflusst und geformt wird. Nicht zuletzt spielt der freie Wille, dem die Handlungen des Menschen unterliegen eine wesentliche Rolle.

1.Charakter: Der poetisch/politisch/philosophische Blog.

Der Blogautor des poetisch/politisch/philosophischen Blogs gibt sich intellektuell, will nicht dem Blog-Mainstream entsprechen, grenzt sich meist schon in seinem ersten Einleitungstext vom Hype des allgemeinen Bloggens ab und entschuldigt sich schon mal im Voraus, dass auch er von der „Blogomanie“ befallen wurde. Er gibt vor, sein Blog würde ein Bestimmtes Ziel verfolgen, und sich an bestimmte Richtlinien halten.

Beispielsweise schreibt Provinztristesse, die ein bestes Beispiel für den sogenannten „ppp-Blog“ abgibt:

„Tja, nun hat mich diese ‚Blog-Manie‘, dieser Hype doch befallen. Anfangs wehrte ich mich ja vehement diesen Trend zu folgen. Doch aufgrund einiger Gespräche mit ermutigenden Impulsen und daraus resultierenden Überlegungen, erkannte ich diverse Vorteile, die so ein Blog haben kann. […] Allerdings, soll dieser Blog beinah ausschließlich als innterdisziplinäre Diskursplattform, welche ich für Literatur, -Poesie, Kunst, -Anti Kunst, Politik, Philosophie…und so mancherlei mehr nutzen will, dienen.“

(hier)

Oftmals soll der Blog dazu dienen Gedichte, Kolumnen, und politische Texte zu veröffentlichen, keinenfalls aber „Privatscheiß“ enthalten. Provinztristesse möchte „Literatur, -Poesie, Kunst, -Anti Kunst, Politik, Philosophie“ veröffentlichen, es wird also darauf geachtet, dass man sich gewissen Werten und Richtlinien verpflichtet, um nicht dem Blogmainstream zu entsprechen. Das gelingt allerdings den wenigsten der „ppp-Blogs“, Provinztristesse gelang es nicht konsequent zu bleiben, gesteht sich dieses allerdings auch ein;

„Gleich zu meinem zweiten Beitrag werfe ich all meine Prinzipien über den Haufen, wandel diese eben in Richtlinien um, und schreibe über ein Privat Erlebnis aus der Provinz.“

(hier)

Zwischenzeitlich versuchte auch der Blog „roteratte“, einen „Literaturblog“ zu erstellen, doch auch der Autor dieses Blogs gab auf, und ist heute ein „normaler“ Blog, wie viele andere, Überreste des Literaturblog-Versuches sind ein paar literarische Zitate im Blogarchiv.

Einen bweiteren „ppp-Blog“ stellt „aergernis“ dar. Er verfolgt eine konsequente Linie, die jedoch nur der Blog-Autor zu kennen scheint. Er ist zwar durchaus in die Kategorie „ppp-Blogs“ einzuordnen, stellt aber eine Außnahme dar. Sein erster Artikel besteht nicht etwa aus einer Vorstellung, was einen denn auf diesem Blog erwartet, sondern tatsächlich aus einem dadaistischen Gedicht, und einem selbstgezeichneten Bild. Aergernis ist der einzige Blog, zumindest im dörflichen Bereich, der in diese Kategorie eingeteilt werden kann, aber auch konsequent bleibt. Dies nützt dem Leser jedoch reichlich wenig. Was bei roteratte und Provinztristesse Regelverletzungen zu sein scheinen, erleichtert dem Leser dieser Blogs aus den Artikeln Erkenntnisse zu erlangen und zu verstehen. Wir zweifeln keinesfalls an der Aufrichtigkeit Aergernissens Intentionen, doch für den Leser eröffnet sich lediglich Schwachsinn.

Wir können also für roteratte und Provinztristesse feststellen, dass ihre Psychen sich äußerst ähnlich sind. Dies könnte einen Hinweis auf eine enge Beziehung im realen Leben sein. Des weiteren scheinen beide Menschen gerade in einer Phase zu sein, in der sie sich der Welt öffnen und nach Erkenntnissen streben. Dies lässt sich anhand der Blog-Texte ableiten, die oftmals sicher aber suchend wirken. Wir wünschen den beiden viel Erfolg auf ihrer weiteren Suche und hoffen, dass sie vom Weg ins intellektuelle Bla-Blubb abgebracht werden.
Aergernis hingegen ist nicht mehr zu helfen. Wie gesagt zweifeln wir nicht an seiner Aufrechtigkeit. Doch was nützt einem diese, wenn sie auf der Grundlage einer umfassenden Gestörtheit liegen. Wir glauben nicht daran, dass aergernis von seinem Weg ins Verderben abgebracht werden könnte, die einzige Chance wäre eine anständige Psychiatrie.

2.Charakter: Das Internet-Tagebuch

Der Blogautor des Internet-Tagebuches legt nicht viel Wert auf bestimmte Richtlinien, oder Vorgaben, an die er sich zu halten hat. Er schreibt fast ausschließlich über seine eigenen Erlebnisse, bevorzugt über jene, die er mit anderen BlogautorInnen erlebt hat. Die Einträge des Internet-Tagebuches sind oft oberflächlich, wenig politisch, und fast nie philosophisch. Ein gutes Beispiele hierfür liefert der Blog „andersleben“. Der Blogname selbst, könnte einen auf einen „anderen“, oder gar intellektuellen Blog hoffen lassen. Was man jedoch tatsächlich auf dem Blog findet, sind anspruchslose Beschreibungen dessen, was der Blogautor in seinem Alltag erlebt. Unter der Kategorie „Politik“ (in der nur 3 Artikel zu finden sind) findet man ein paar Texte zum Thema „Liebe“ und „Beziehungsweise Frei“, welche jedoch keine neuen politischen Ideen oder Errungenschaften darstellen, sondern nur persönliche Empfindungen zu gesellschaftlichen Themen. Der Blog „andersleben“ ist, wie alle Internet-Tagebücher für Menschen, die den Bloginhaber nicht kennen äußerst uninteressant, und dient maximal dazu, nachzulesen, was der Autor des Internet-Tagebuches erlebt.

Für andersleben lässt sich vermuten, dass er im realen Leben in seiner Grundschulzeit des öfteren vermöbelt wurde. Von diesen Erlebnissen scheint er sich emanzipieren zu wollen. Wir hoffen, dass er es schafft.

3.Charakter: Der „Weil meine Freunde bloggen, blogge ich auch“ – Blog

Dieser Blogcharakter, ist zumindest in der Blog-Welt, ein äußerster Mitläufertyp. Einer dieser Blog-Typen ist der Blog „lexi“. Lexi schreibt in seinem ersten Artikel, welcher „Ok, überredet…“ heißt:

„Nach langem überreden durch meine Freunde, die selbst Blogger sind hab ich nun meinen eigenen Blog gegründet. Bei der Namensfindung hat mir mein Freund andersleben geholfen.“

[hier]
Ein weiterer Hinweis darauf, dass Lexi seinen Blog nur macht, weil auch seine Freunde bloggen, ist das äußerst schlechte Design. So hat lexi mit individueller Gestaltung nichts am Hut und hat glatt den standard-vorgegebenen style-sheet übernommen. Er brennt also nicht fürs Bloggen, was wie gesagt darauf hinweist, dass er es seinen Freunden zuliebe macht.
Was jedoch in der Blog-Welt mitläuferisch wirkt, muss sich nicht notwendiger Weise auf das real life übertragen. So zeugen jene Themen, die lexi anspricht von ausgesprochenem Selbst-Bewusstsein. Er schreibt über sein Hobby das Angeln, über Hooligans, Autofahren und er schreibt offen über seine Gefühle. Kurzum, er schreibt über all diese Themen, zu denen den ganzen mittelmäßigen, pseudo-intellektuellen Blogs der Mut fehlt. Lexi hat es nicht nötig irgendwelche Dinge seines Lebens zu überspielen.
Wir vermuten, dass Lexi in seinem Leben fest auf beiden Beinen steht und ihn nichts aus der Bahn werfen kann. Er ist selbstbewusst und steht zu dem was er tut und sagt. Wir wünschen ihm viel Glück für seine weitere Karriere, vermuten aber, dass er dieses gar nicht nötig hat. Wir wundern uns darüber, dass Lexi mit andersleben befreundet ist.

Demnächst werden weitere Blog-Charaktere folgen. Bis dahin wünschen wir ein munteres Beisammen-Sein!


10 Antworten auf „Analyse verschiedener Blog-Charaktere“


  1. 1 lex 24. August 2007 um 22:33 Uhr

    ihr seid ja richtige hobbypsychologen!^^ macht ihr das nur so zum spaß oder ist das auch euer beruf, leute zu analysieren? muss schon zugeben das eigentlich relativ viel eurer analyse stimmt. nur mit einen geb ich mich nich zufrieden. am anfang kann das schon hinkommen mit dem mitläuferblog aba jetzt mache ich es weil es mir ab un an auch mal spaß macht, ein paar private dinge auf mein blog zu stellen. also stimmt das nich so ganz mit dem mitläuferblog. werd mich demnächst mal um mein design kümmern. mein blog is nich mein leben, was es für manch anderen is. ich hang auch nich 24 stunden am pc ab un mach irgendwas an mein blog. mein blog is mir trotzdem nich gleichkültig!

  2. 2 Administrator 25. August 2007 um 14:42 Uhr

    Lieber Lexi!
    Wie du richtig feststellst, ist dieses analysieren ein Hobby von uns, nicht etwa unser Beruf. Was wir jedoch beruflich tatsächlich machen, muss geheim bleiben, wie gesagt, wir wollen unsere Identität geheim halten. Außerdem ist diese Analyse nicht sehr vollständig, und du selbst zeigst ja Fehler darin auf.
    Wir freuen uns, dass du Spaß am Bloggen gefunden hast. Wir bewerten es aber auch überhaupt nicht negativ, dass dein Blog nicht dein Leben ist, ganz im Gegenteil, bei manch ander(slebend)en, der tatsächlich zu viel vomr PC zu sitzen scheint kommt beim Bloggen mehr Müll heraus als bei dir, der sich nur halbherzig dafür interessiert.
    Schön. dass dein Blog dir nicht „gleichkültig“ ist, wir freuen uns auf dein neues Design…
    Die Provinz-Blog-Crew.

  3. 3 lex 26. August 2007 um 17:44 Uhr

    hehe werdet doch nich immer gleich so persönlich!:-) woher wisst ihr nur die ganzen sachen von uns!? das kann nich nur durch analysieren unserer texte kommen! entweder ihr kennt uns verdammt gut oder ihr…. ok erstmal schluss mit x-faktor. schaut mal auf mein blog, hab mein design eben mal schnell halbherzig mit photoshop geändert…^^

  4. 4 la rate rouche 26. August 2007 um 20:38 Uhr

    ihr seid doch auch alles provinzlerInnen und wisst wies leben hier läuft…

  5. 5 kojack 27. August 2007 um 19:30 Uhr

    ich war auch mla einE provinzlerIn aus der area. ich find eure sachen voll toll. macht spass, euer artikel zu big town ist einfach nur special. weiter so :-D

  6. 6 krass 24. Juli 2008 um 18:47 Uhr

    total krass (im negativen sinne) dieser teil eures blogs. wenn ihr schon hobby-psycholgoisiert, dann schaut euch mal bitte noch andere richtungen, als die Psychoannalyse an… !
    eure ausschließlichen bewertungen, anhand von blogs und derren einteilung in drei kategorien, hauen mich um,
    hoffe ihr denkt nich nur schwarz-weiß… ???

  1. 1 Aergernis goes Crazy | ärgernis Pingback am 24. August 2007 um 11:43 Uhr
  2. 2 Provinzblog… | strangeboy Pingback am 24. August 2007 um 22:48 Uhr
  3. 3 Neuanfang | ärgernis Pingback am 07. September 2007 um 12:23 Uhr
  4. 4 Das große Schweigen | Provinzblog Pingback am 17. Oktober 2007 um 9:47 Uhr
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